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Einweihung
mit Reden, Musik und Apéro am 29. Oktober 2005:
Gedenktafel für Paul Grüninger in Au SG
Im israelischen Kiriat Ono, in Jerusalem, St. Gallen und Zürich sind
seit einigen Jahren Plätze oder Strassen nach ihm benannt. Nun wird
Paul Grünger auch im heimatlichen Au geehrt: Am Samstag, 29. Oktober,
10.30 Uhr, weiht Regierungsrätin Heidi Hanselmann zusammen mit Grüningers
Tochter Ruth Roduner und Gemeindepräsident Walter Giger eine Erinnerungstafel
für den ehemaligen St. Galler Polizeihauptmann und Flüchtlingsretter
ein.
Paul Grüninger lebte zweimal in Au. Zuerst als Primarlehrer während
dem Ersten Weltkrieg. Damals lernte er Alice Federer kennen, seine spätere
Frau, die in Au aufgewachsen war. 1919 wurde Paul Grüninger zum kantonalen
Polizeileutnant gewählt, von 1925 bis 1939 war er Polizeikommandant
in St. Gallen.
1939 entliess die St. Galler Regierung den 48-jährigen Landjägerhauptmann
Grüninger fristlos, weil er mehrere hundert, vielleicht einige tausend
jüdische und andere Flüchtlinge aus Österreich und Deutschland
in die Schweiz gerettet hatte. Grüninger wurde vor Gericht gestellt
und 1940 zu einer Busse verurteilt. Nach seiner Entlassung lebte Paul
Grüninger in schwierigen Verhältnissen, er wurde verfemt und
fand nie mehr eine feste Anstellung. Ab 1944 wohnte er wieder in Au, ab
1955 in einer bescheidenen Wohnung am Kirchweg 4, direkt neben dem Gemeindehaus,
wo nun die Tafel angebracht wird.
Erst kurz vor seinem Tod im Februar 1972 ist der Flüchtlingsretter
Paul Grüninger berühmt geworden. Von der israelischen Gedenkstätte
Yad Vashem wurde er 1971 als «Gerechter aus den Völkern»
ausgezeichnet. Der deutsche Bundespräsident Gustav Heinemann liess
ihm als Anerkennung einen der ersten Farbfernseher überbringen. In
der ganzen Welt schrieben Zeitungen über den Mann in Au SG, der so
vielen Menschen geholfen hatte.
Die St. Galler Regierung rehabiliterte Paul Grüninger allerdings
erst 21 Jahre nach seinem Tod, im Herbst 1993, nachdem Stefan Kellers
Buch «Grüningers Fall. Geschichten von Flucht und Hilfe»
erschienen und ein Verein «Gerechtigkeit für Paul Grüninger»
aktiv geworden war. 1995 hob auch das Bezirksgericht St. Gallen das seinerzeitige
Urteil gegen Grüninger auf und sprach ihn fast sechzig Jahre nach
seinen Taten frei. 1998 erkannte der Regierungsrat Grüningers Nachkommen
eine Entschädigung zu, die vollumfänglich in eine neuerrichtete
Paul Grüninger Stiftung floss. Diese Stiftung hat zur Aufgabe, an
den Flüchtlingsretter zu erinnern und Leute oder Organisationen zu
unterstützen, die sich heute in der Welt für Menschenrechte
einsetzen.
Die Gemeinde Au-Heerbrugg und die Paul Grüninger Stiftung laden die
Bevölkerung herzlich zur Einweihung der Gedenktafel für Paul
Grüninger ein. Der Musikverein Konkordia Au wird dabei den Paul Grüninger
Marsch aufführen, der 1938 von einem jüdischen Flüchtling
im Lager Diepoldsau komponiert worden ist. Anschliessend offeriert die
Gemeinde Au-Heerbrugg einen Apero.
Samstag, 29. Oktober 2005, 10.30 Uhr, Kirchweg 4 (neben dem Gemeindehaus)
in Au SG
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Fotos
Einweihung |